Seit 2005 gibt es das Mount Coach Alpine Climbing Projekt. Die "Klim- en Bergsportfederatie" - kurz KBF genannt - ist Initiator des Förderungsprogramms für junge Kletterer und Alpinisten. Nach einem Eingangstest gelangen sechs Personen in das Coachingprogramm, welches den Teilnehmern während zwei Jahren die unterschiedlichen Facetten des Bergsports näher bringt. Die Teilnehmer müssen über ein bereits hohes Eigenkönnen verfügen um in die Auswahl zu gelangen und dürfen höchsten 25 Jahre alt sein. Nach themenspezifischen Ausbildungswochen (z.B. Winteralpinismus, Technoklettern, Hochtouren, Wasserfallklettern, usw.) wartet am Ende jedes Coachingzyklus eine Expedition auf das junge Team. Gemeinsam und in Anwendung all ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse soll dabei ein herausforderndes Ziel erreicht werden.

Wir trafen uns Ende Juli, an einem verregneten Nachmittag in Chamonix. Der Inhalt unserer Woche war grob vorgegeben und mit dem Titel "Hochtouren" versehen. Wer in diesem Zeitraum in Montblancgebiet unterwegs war weiß, dass die letzte Juliwoche von sehr wechselhaftem Wetter geprägt war. Immer wieder regnete es (ab ca. 3.400 m schneite es) und der ansich sehr warme Sommer setzte Gletschern und Permafrost mächtig zu. Alles andere als optimale Bedingungen.

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Gedämpfte Stimmung im Basislager aufgrund starker Regenfälle. Ein guter Test für die mitgebrachten Zelte.

Zu Beginn beschäftigten wir uns mit den Grundtechniken in Firn uns Eis. Ein Übungstag am Mer de Glace brachte uns dabei sehr viel - ohne langen Zustieg und in interessantem Gelände konnten wir sämtliche Fortbewegungs- und  Sicherungstechniken im Eis ergründen. Etwas schade war die Tatsache, dass wir an diesem "guten" Tag üben mussten und keine Tour unternehmen konnten. Aber dem Grundsatz der Unterrichtsmethodik folgend erarbeiteten wir unsere Inhalte vom Einfachen zum Schweren und vom Bekannten zum Unbekannten.

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Standplatzbau und Partnersicherung im Steileis.

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Klettertechnik im Steileis. Neben bizarren Eisschluchten (siehe Bild oben) eigneten sich auch Gletschermühlen hervorragend um dies zu üben.

Unbekannt war am folgenden Tag für jeden die Überschreitung der Aiguilles Crochues (2.840 m) in den Aiguilles Rouges. Die Route ist klettertechnisch nicht sonderlich schwierig (bis 3c), jedoch fanden wir im gezackten Blockgrat ideales Gelände um uns den Themen Simultanklettern und Kurzseiltechnik anzunehmen. Die Mount Coach Teilnehmer werden nicht zu Bergführern ausgebildet - vielmehr sollen sie das Rüstzeug erhalten, lange und anspruchsvolle Routen in gutem Stil und zügig klettern zu können. Das windig-nasse Wetter verlieh der Grattour einen herben Charakter und jeder konnte erkennen, wie sehr Kälte und andere äußere Bedingungen zu Erschwernissen beitragen können. Am Abend statteten wir dem Office de Haute Montagne einen besuch ab. Die Informations- und Auskunftstelle ist Anlaufpunkt vieler Alpinisten auf der Suche nach geeigneten Touren. Wir kamen mit einer Liste konkreter Touren und mussten uns erklären lassen, dass beinahe alle davon aufgrund erhöhten Steinschlagrisikos nicht möglich seien.

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Am Westgrat der Aiguilles Crochues - perfektes Gelände um den Fokus auf effizentes und zeitsparendes Sichern zu legen und die Kletterei an Blockgraten moderater Schwierigkeit zu üben.

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Am höchsten Punkt der Tour, dem Hauptgipfel der Aiguilles Crochues (2.840 m)

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Die Zubereitung des Essens erfolgte am Campingplatz. Auch diese gemeinsame Tätigkeit bereitet das Team auf die kommenden Coachingkurse und die Expedition zum Abschluss des Projekts vor.

Wir entschlossen uns, eine eintägige Tour im Bereich der Albert 1er Hütte zu unternehmen. Der Weg zum Tete Blanche (3.421 m) ist weit und verlangt Gehen über weite Gletscher. Ziel war die kleine Nordwand des Berges, an welcher wir uns gute Eisverhältnisse erhofften. Durch starken Gletscherrückgang und drohenden Steinschlag erreichten wir jedoch den Wandfuß über die Normalroute nicht und mussten über einen alternativen Weg weiter oben einsteigen. Auch diese Erfahrung war sehr wertvoll. Die Techniken im Steileis klappten wunderbar und trotz der kleinen Dimension der Wand erkannten die Teilnehmer den Anspruch mittelschwerer Eistouren in großer Höhe. Herausragend war die Leistung der Jungs im Abstieg - nachdem für uns die letzte Talfahrt im Skigebiet bereits unmöglich erschien, motivierte sich jeder besonders - und die Zeit reichte aus.

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Am Beginn des langen Zustiegs, im Aufstieg zur Albert 1er Hütte. Im der Ferne grüßt der Montblanc aus stürmischen Winden.

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Nach etwa drei Stunden Gehzeit wurde angeseilt.

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Im oberen Teil des Zustiegs dominieren weite Gletscher. Bemerkenswert, die durch Regen gebildeten Formen und Muster an der Schneeoberfläche.

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In der Gipfelflanke des Tete Blanche (3.421 m). Eis bis 55° Neigung und ein Ausstieg in kombiniertem Gelände.

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Die Verhältnisse verlangten behutsames Bewegen. Lose Blöcke im schwindenden Eis bildeten die Hauptgefahr. Im Nachstieg wurde mit nur einem klassischen Eispickel geklettert um die Fußtechnik zu präzisieren.

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Der Abstieg im Eilzugthempo führte über einen völlig aufgeweichten, spaltigen Gletscher. Auch hier wurde Übersicht und Achtsamkeit gefordert um Spaltenstürze zu vermeiden.

 

Es folgte ein weiterer Regentag, den wir im Tal verbrachten. Selbst die Seilbahnen hielten geschlossen und so war es uns unmöglich in die Hochlagen zu gelangen. An einem Tag mit Wetterbesserung machten wir uns erneut auf um eine Kletterei in den Aiguilles Rouges zu unternehmen. Es ist wirklich erstaunlich wie vielseitig und wertvoll der kleine Gebirgskamm gegenüber der großen Eisriesen ist. Im Gebiet Planpraz lachte uns der Clocher de Planpraz (2.428 m) an und insbesondere die Überschreitung der sogenannten Clochetons von Westen nach Osten gefiel uns sehr. Mit Bergschuhen kletterten wir in bombenfestem Gneis und konnten seiltechnische Raffinessen üben (u.a. eine Tyrolienne).

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Leider abermals schlechtes Wetter. Mit Hilfe der Seilbahn gelangt man jedoch schnell höher und erreicht so zumindest alternatives Gelände.

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Blick zum heutigen Tagesziel - dem Clocher de Planpraz (2.428 m) und seinen Clochetons.

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Anregende Kletterei in bestem Gneis. Schwierigkeiten am ersten Turm bis 6a.

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Die Überschreitung der Clochetons von Westen nach Osten ist durch ein ständiges Auf und Ab und zahlreiche seiltechnische Manöver gekennzeichnet. immer wieder kletterten die Teilnehmer seilfrei.

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Schöne Kletterei in kleinem Maßstab. Ein 6b-Riss zum Gipfel des vorletzten Turms.

 

Ein letzter, großer Tag blieb uns noch bevor das Wetter komplett kippte. Dieser stand im Zeichen großer Höhe und kombinierter Touren. Wir fuhren mit der Seilbahn zur Aiguille du Midi (3.842 m), querten über das Col de Cosmique zur Pointe Lachenal (3.613 m) und wendeten dort alles Gelernte an. Die Überschreitung an diesem kleinen Berg bot perfektes Gelände für unsere Zwecke. Nach Rutschversuchen und Standplatzbau im Firn setzten wir unseren Weg über den Cosmiquegrat fort bis zurück zur Bergstation. Bereits am selben Abend konnte man am Himmel die Vorboten des Tiefs erkennen.


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Der lang ersehnte Tag - gutes Wetter und perfekte Bedingungen nach dem Durchzug von Kaltluft.

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Bei diesen Verhältnissen machen Hochtouren viel mehr Spaß.

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Frischer Schnee erforderte Kombi-Techniken beim Anbringen von Zwischensicherungen und beim Bau der Standplätze.

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Auch an diesem Tag bewegten wir uns oft seilfrei. Die Teilnehmer lernten dabei ihre eigenen Fähigkeiten besser abzuschätzen und Griffe und Tritte gewissenhaft zu prüfen.

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Im letzten steilen Aufschwung zum Gipfel der Pointe Lachenal (3.613 m).

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Die äußerst talentierte Gruppe Mount Coach 6. Für sie gilt es, weitere Erfahrungen zu sammeln, das Gelernte auf möglichst vielen Touren umzusetzen und zukünftig gemeinsam, große Ziele zu erreichen.

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Der letzte Übergang am Cosmiquegrat zur Seilbahnstation an der Aig. du Midi.

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So schön es aussieht - es bedeutet nichts Gutes. Die nächsten Regenwolken ziehen am Abendhimmel.

 

Bleibt nichts weiter, als dem Team bei der Umsetzung ihrer Bergträume viel Erfolg zu wünschen. Die Woche war nicht einfach aber spannend und lehrte uns einen weiteren Inhalt - Gelduld zu bewahren.

 

Hinweis:
Im Form privater Ausbildungskurse vermitteln wir Interessierten die erforderlichen Sicherungs- und Klettertechniken für kombinierte Hochtouren, Steileistouren und Felstouren. Die Inhalte werden maßgeschneidert an die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst und ermöglichen es uns, effizient und zielgerichtet zu Lernen. Bei der Auswahl der Gebiete richten wir uns gerne an die Vorstellungen unserer Kunden. Auch können wir auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz in vielen Gebieten der Alpen zurückgreifen. Ausbildung schafft Sicherheit! Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme.

 

 

Text und Bilder: Matthias Knaus